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Academy Award 2006 – BEGRÜSSUNG

thg-Vorstand Joseph Faymonville:
Nicht nur Wirtschaft fördert Lernbegeisterung,
auch Lernende begeistern die Wirtschaft.

Meine sehr verehrten Damen, sehr geehrte Herren,
liebe Schülerinnen und Schüler!

Wir freuen uns, dass wir dieses Jahr zum zweiten Mal den Treuhand Academy Award verleihen können. Nach den äußerst positiven Resonanzen des letzten Jahres, sei es von den beteiligten Schulen bzw. Schülern oder von Personen aus der Wirtschaft, waren wir ermutigt, den Wettbewerb in diesem Jahr erneut auszuschreiben und auf die gesamte Deutschsprachige Gemeinschaft auszuweiten.
Wir haben uns sehr gefreut, dass sich sechs Schulen an dem Wettbewerb beteiligt haben, drei aus dem Norden und drei aus dem Süden. Allen Beteiligten sagen wir ein herzliches Dankeschön.



Warum schreibt ein Unternehmen einen Wettbewerb aus, um Schülerinnen und Schüler für gute Lern- und Arbeitsleistung zu belohnen? Das ist sicherlich eine legitime Frage. Ich möchte daher noch einmal kurz unsere Motivation erläutern.


Warum ein “Academy Award”?

Der Gedanke dazu kam uns vor eineinhalb Jahren, als wir im Rahmen einer Teambesprechung auf das Thema „Leistungsbereitschaft unserer Jugend“ zu sprechen kamen. Eigentlich ging es dabei in erster Linie um unser berufliches Umfeld, aber sehr schnell waren wir uns darüber im Klaren, dass die Freude an der Leistung viel früher ansetzen muss. Wir haben uns dann entschieden, die Schulen anzuschreiben, um die Schüler zu ermutigen, ihre Endarbeiten einzureichen, um diese von unserer Jury bewerten zu lassen. Nachdem wir letztes Jahr mit den drei St. Vither Schulen begonnen hatten, waren wir der Meinung, dass diese Initiative auf die gesamte DG ausgedehnt werden sollte. So haben wir dann im Dezember 2005 alle Schulen, in denen Endarbeiten erstellt werden, angeschrieben und sie zu unserem Wettbewerb eingeladen.

Ist die Ausschreibung eines Awards wirklich notwendig? Haben die Schüler nicht aus sich heraus genug Ehrgeiz, eine bestmögliche Endarbeit zu schreiben?
Ich bin durchaus der Auffassung, eine gewisse Lern- und Leistungsmüdigkeit festzustellen zu können. Dabei wissen wir, dass die Anforderungen im Beruf größer werden. Da ist es notwendig, dass fachliche und soziale Kompetenzen in gleichem Maße mit wachsen sollten.  Wir möchten hierfür ein Zeichen setzen, - natürlich ohne dass wir uns anmaßen wollen, die Gesellschaft verändern zu können. Aber dennoch liegt uns in besonderem Maße daran zu beweisen, dass die Schüler von heute sich noch für das Lernen begeistern können und in der Lage sind, hervorragende Leistungen zu erbringen.

Und genau das ist der Hintergrund dieses Wettbewerbs: Lernbegeisterung zu fördern, und zwar nicht nur mit Worten, sondern sie auch mit hochwertigen und attraktiven Preisen zu belohnen.

Wie von Herrn Weinbrenner in der Einleitung schon erwähnt, möchte ich auch noch einmal betonen, dass wir von den Präsentationen am Mittwoch begeistert waren. Begeistert vom Engagement, vom Niveau der Arbeiten und der Identifikation der Schüler mit ihrem Thema.  


“Trockene” Themen spannend und engagiert präsentiert

Wir haben fundierte Ausführungen zu interessanten Themen gehört. Und hier möchte ich ausdrücklich betonen, dass es den Kandidaten auch durchaus gelungen ist, auf den ersten Blick „trockene“ Themen höchst engagiert, überzeugend und spannend zu präsentieren. Das hat uns teilweise so beeindruckt, dass wir die Schulen ermutigen möchten, die Themenfelder „Präsentation“ und „Rhetorik“ in den Schulalltag mehr zu integrieren.

Ich möchte Ihnen eine kurze Auswahl der Themenfelder nennen, mit denen sich die Schüler intensiv beschäftigt haben, und was wir von der Jury davon mitnehmen konnten:
1. Wir waren einmal mehr erstaunt über den Aufwand und Einsatz von Michealangelo für die Erstellung der Deckenfresken der Sixtinischen Kapelle
2. Wir haben etwas über die Optimierung einer Zahnradpumpe erfahren
3. Wir haben gehört, wie Nachrichten verschlüsselt werden können – Stichwort „Kryptologie“
4. Wir haben mal einen Blick in die deutsche Kolonialpolitik geworfen beim Thema „Der Kolonialkrieg in Deutsch-Südwestafrika“
5. Uns ist der Einfluss und die Möglichkeiten der Gentechnik noch mal bewusst geworden
6. Wir konnten bei der Betrachtung der julisch-claudischen Epoche Parallelen zwischen der Römerzeit und der heutigen Zeit verfolgen.

Solche und andere interessante Themen sind uns begegnet und haben uns von der Leistungsbereitschaft der Schüler überzeugt.
Wie wir alle wissen, können in einem guten Team häufig bessere Ergebnisse erzielt werden als einzeln. Das gilt mit Sicherheit auch bei der Zusammenarbeit innerhalb einer Schule, d.h. im Team mit  Schülern, Lehrern, Direktorium.


Dank an begeisterungsfähige Lehrer

Aus diesem Grund möchte ich die Gelegenheit wahrnehmen, die Verdienste der Lehrer und, wenn auch eher indirekt, der Direktoren hervorzuheben. Wir freuen uns sehr, Lehrkräften zu begegnen, die heute noch den Mut, die Vision und das Charisma haben, Schüler zu begeistern. Wenn wir von der Qualität der Arbeiten schließen, sehen wir mit Genugtuung, dass es noch solche Lehrer gibt. Wir wollen Sie alle auch daher weiter ermutigen, Ihren Lehrerberuf mit voller Überzeugung auszuüben, auch wenn das – wie ich mir sehr gut vorstellen kann – gute Nerven erfordert.

Zu guter Letzt ist es mir auch ein Anliegen einige Gedankenanstöße an die Schulen insgesamt weiterzugeben. Zunächst freuen wir uns über das Engagement DER Direktoren, die den Academy Award in ihrer Schule mit Begeisterung an die Lehrer und Schüler weitergegeben haben. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Schüler eine Chance verpassen, wenn sie nicht dabei sein können. Ich möchte damit betonen, dass die Führung einer Schule ganz wesentlichen Einfluss auf die Qualität der Bildung nehmen kann, wenn auch hier Enthusiasmus und Engagement vorhanden ist.


Übergeordente Ziele für Schulen und Unternehmen

Weiterhin ist es aus meiner Sicht sehr interessant darüber nachzudenken, dass Schulen ein Leitbild, eine Vision und natürlich auch Strategien entwickeln. Wir als Unternehmer sind fest davon überzeugt und erleben es auch immer wieder selbst, dass die Erarbeitung eines übergeordneten Zieles für den Erfolg eines Unternehmens, und ich vermute mal auch für eine Schule sehr bedeutsam ist. Hier sind mit Sicherheit auch die Regierung und das Ministerium gefordert. Ich möchte Sie alle ermutigen, sich mit diesem Thema konkret auseinanderzusetzen.

Ein zweiter wichtiger Punkt betrifft das Personalmanagement. Im Unterrichtswesen sind die Anreize für aktive Personalpolitik, und hierzu zähle ich nicht nur die Einstellung von Fachkräften, sondern vielmehr die stetige Begleitung und Förderung der Lehrer, eine permanente Herausforderung. Hier gibt es viele interessante Instrumente, die auch durchaus verstärkt Schule Anwendung finden dürften, ich nenne z.B. Personalgespräche, Beurteilungssysteme, systematische Ermittlung des Weiterbildungsbedarfs etc. Ich bin der Überzeugung, dass mit mehr Autonomie die Schulen eine bessere Bildung „produzieren“ könnten.

Wir hoffen, dass wir Sie, liebe Schüler, Lehrer, Direktoren, und natürlich auch Eltern durch die Ausschreibung des Treuhand Academy Award motivieren konnten, Lernbegeisterung zu fördern.
Wir werden alle davon profitieren, wenn Ostbelgien ein starker Bildungsstandort bleibt.


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